Donnerstag, 20. November 2008

TV Total: Der Untergang einer Kultsendung

Vier Mal die Woche erscheint Stefan Raab mindestens auf dem großen Fernsehparkett. Am späten Abend, fast nachts, präsentiert er seine Sendung „TV Total“ auf ProSieben. Dazu steht er im Zentrum unzähliger Unterhaltungs- und Sportsendungen, die ebenfalls von ihm moderiert oder produziert werden.

Die Sendung „TV Total“ hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Zwar ist sie immer noch durch typische Elemente einer Late-Night-Show wie eigene Band, Monolog zu Beginn der Sendung und Talkgäste geprägt, allerdings sind viele interessante Rubriken, die die Show zu Beginn prägten mittlerweile verschwunden. Am 8. März 1999 startete „TV Total“ und wurde von dort an bis Februar 2001 einmal wöchentlich ausgestrahlt. Aufgrund des großen Erfolges beglückte der ehemalige „VIVA“-Moderator ab 2001 an seine Zuschauer sogar von Montags bis Freitags.

Ich selbst war als Jugendlicher ein großer Fan der Sendung. Der frische Wind, der Raab umwehte, begeisterte die Jugend. Jeden Abend saß man mit der Erwartung vor dem Fernseher gleich etwas ganz Besonderes zu sehen. Raab, wie er die Grenzen des akzeptablen Humors neu steckte, keine Angst vor großen Namen zeigte und sich für nichts zu schade war. Am nächsten Morgen war der Inhalt des Vorabends nicht selten das Gesprächsthema auf dem Schulhof.

Auf seinem Höhepunkt befand sich die Sendung in den Jahren 1999 und 2000. Zu Beginn des neuen Jahrtausends schauten durchschnittlich rund 3,21 Millionen Zuschauer „TV Total“. 1999 erhielt sie sogar den deutschen Fernsehpreis für die „beste Unterhaltungssendung“.

In diesen erfolgreichen Jahren prägten Sendungselemente die Show, die heute fast alle verschwunden sind.


Die Zuschauer konnten eine beliebige, meist eine verhasste oder als lächerlich angesehene Sendung, mit dem „Raab der Woche“ auszeichnen. So kamen immer wieder amüsierende Aufeinandertreffen von Raab und diversen Fernsehgestalten zustande.

In der Rubrik „Raab in Gefahr“ begab sich der Moderator selbst in brenzlige Situationen und bewies unter anderem beim Kunstflug, was er bereit war für Unterhaltung auf sich zu nehmen. Sein Besuch bei McDonalds im Rahmen der Rubrik ist aus heutiger Sicht fast paradox, da er später sogar für dieses Unternehmen Werbung machte.

Vor dem Raabigramm fürchtete sich die halbe Prominenz Deutschlands. Ohne Angst vor den Konsequenzen spielte Raab unter anderem den Klitschko-Brüdern oder Dieter Bohlen ein Lied auf seiner Ukulele vor. Dabei fing er meist schmeichelnd an, um dem schockiertem Promi dann mit einer verbalen Ohrfeige den Rest zu geben.

Solche Aktionen oder auch Einspieler, wie der Pulleralarm, der eingeführt wurde, als Ingo Dubinski bei einer Fernsehreportage in der Sauna versehentlich seinen Penis entblößte, sind Kult.

Doch im Rahmen der Umstrukturierung der Sendung vor einigen Jahren verschwanden nicht nur die besagten Inhalte, sondern auch die Zuschauer. Im Jahr 2008 schauten nur noch rund 0,87 Millionen Menschen im Schnitt die Sendung. Der Sendeplatz von Raab wurde dieses Jahr um ca. eine Stunde nach hinten geschoben und so wird er jetzt erst ab 23 Uhr auf Deutschland losgelassen.

Der Hofnarr
findet, dass TV Total mittlerweile zu dem geworden ist, worüber es sich einst selbst lustig machte. Versammelte Raab vor neun Jahren noch das Fernsehkuriositätenkabinett um sich, gehört er heute selbst dazu. Die bissigen Witze, Einspieler und Aktionen sind weggefallen und wurden durch eine billige Fernsehkritik zu Beginn der Sendung, die eigentlich keine ist, ersetzt. Dort macht Raab billige Witze über diverse Programme, die aber meist so schlecht sind wie die Sendungen selbst. Das Lachen bleibt einem meist im Halse stecken. Die Spontaneität, die Raab früher auszeichnete ist verflogen. Seine Gags riechen stark nach schlechten Gagschreibern.

Im restlichen Verlauf der Sendung verfällt die Show in eine Werbeplattform für ProSieben, Promis, Popstars und sonstigem Kommerz. Gekonnte und pointierte verbale Attacken Raabs gegen seine Gäste sind eine Seltenheit. Der Moderator selbst wirbt jede Woche für eine neue Sendung aus seiner Feder: Turmspringen, Reiten, Autoball, Schlag den Raab, Stockcar Crash Challenge und vieles mehr. Diese Formate, vor allem „Schlag den Raab“ sind deutlich unterhaltsamer als die Mutter all dieser Shows: „TV Total“.

Zeitweise verwandelte sich „TV Total“ in ein Magazin für „Popstars“ und „Germany’s next Topmodel“, zwar als eine Art Persiflage gedacht, entpuppten sich die Beiträge aber als Präsentationsflächen der Sendungen und deren Kandidaten, die verzweifelt nach Aufmerksamkeit hechelten.

Zwar ist die Prominentendichte bei Stefan Raab auf dem Sofa mittlerweile ziemlich erstaunlich, doch das Problem ist, dass Raab mittlerweile selbst zu diesen Prominenten gehört, über die er sich früher amüsierte.

Dienstag, 18. November 2008

Uni-Leben: Armes, langsames Münster?

Gestern berichteten wir über die geplante Urabstimmung zur Einführung eines NRW-weiten Semestertickets an der Uni Münster. Darauf möchten wir weiter in einer globaleren Sichtweise noch einmal eingehen.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich ein klarer Befürworter des Tickets bin. In Paderborn wie in den meisten Hochschulorten des Landes ist dieses bereits gültig. Die Abstimmung fand in Paderborn im April dieses Jahres statt, ähnlich war es etwa in Essen/Duisburg. Das Ticket ist ungemein praktisch und bietet gerade in einem Bundesland wie NRW sehr viele Möglichkeiten. Für 37 Euro mehr pro Semester wäre meine Wahl in Münster jedenfalls klar: So günstig kommt man regulär ja nicht einmal nach Düsseldorf (auf dem Foto ist der Landtag zu sehen) und zurück. Als "Luxus" wird das Ticket von vielen nicht mehr wahrgenommen - für den Preis ist es jedoch sicherlich einer.

In der allgemeinen Gültigkeit liegt dann aber auch ein Problem, denn grundsätzlich soll die Fahrkarte ja dem Pendeln zwischen Heimat- und Uni-Stadt dienen und nicht der Freizeitgestaltung. Pech haben aber diejenigen, die zum Beispiel aus Hannover kommen. Von dort aus nach Paderborn ist es näher als von Bonn hierher - dennoch müssen separate Tickets gekauft werden. Zwar ist hier derzeit zusätzlich (noch) ein altes regionales Semesterticket enthalten, das allerdings auch nicht so weite Kreise zieht.

Vielleicht geht die alte Steigerung des Konservativen "Schwarz-Münster-Paderborn" ja einmal nicht auf und Münster holt nun lediglich nach, was für die meisten Studenten schon angenehmer Alltag geworden ist ...

Montag, 17. November 2008

Uni-Leben: NRW-Semesterticket; Urabstimmung Münster

Update 2: Ein zwingende Vorgabe ist gescheitert. Nun liegt die Einführung in den Händen des Studienparlaments.
Update:Laut einem vorläufigen, nicht offiziellen Ergebnis, wurden die notwenidgen 30 % für das NRW-weite Semesterticket in Münster knapp verfehlt. Somit ist die Urabstimmung nur eine Empfehlung und nicht bindend. Nun muss das neu gewählte Parlament entscheiden. Dort werden 16 Stimmen für eine Enführung des Tickets benötigt. Eine solche Mehrheit hätte zum Beispiel Rot-Grün (Juso-HSG und UniGAL) genau. Jedoch wollen "die Grünen" ein Rechtsgutachten abwarten bevor sie sich entscheiden.
Ein offizielles Ergebnis ist wohl erst gegen Sonntagabend zu erwarten. (Mehr hier)

Während die meisten Studenten in ganz Nordrhein-Westfalen mittlerweile den Luxus eines NRW-weiten Semestertickets genießen können, müssen sich die Münsteraner Studenten bislang noch mit einer kleinen Variante zufrieden geben. Das Semesterticket in Münster gilt nämlich nur für das Schienennetz von Münster und einige umliegende Städte. Hamm, Bielefeld, Dortmund und Paderborn etwa sind zwar inbegriffen; Studenten, die aus Köln, Düsseldorf oder anderen Städten aus NRW kommen, müssen ihre Heimfahrt bisher noch aus eigener Tasche zahlen.


Auf Anregung vieler Studenten hatte die Juso-Hochschulgruppe eine Unterschriftenaktion initiiert, damit eine Urabstimmung zum NRW-weiten Ticket überhaupt stattfinden kann. 1883 Unterschriften wären nötig gewesen, rund 4300 Studenten unterzeichneten schlussendlich. Somit ist der Weg für eine Urabstimmung an der Universität Münster bezüglich des Tickets frei.

Diese wird vom 24. bis zum 28. November, parallel zu den Studierendenparlamentswahlen, stattfinden. Auf dem Abstimmungszettel werden die Befürworter, oder auch Gegner, zwei Fragen vorfinden, die jeweils mit „Ja“, „Nein“ oder „Enthaltung“ zu markieren sind.

Dies sind die Fragen:
Frage 1:
Stimmst du dem aktuellen, oben aufgeführten Vertrag zum Semesterticket bis einschließlich dem Wintersemester 2010/2011 zu?

Frage 2:

Soll der AStA damit beauftragt werden, das NRW Semesterticket zum Preis von ca. 37 Euro zusätzlich pro Semester zum nächstmöglichen Zeitpunkt an der Universität Münster einzuführen?

Da ein zukünftiges NRW-weites Ticket auf dem jetzigen Semesterticket aufbauen würde, müssten Befürworter beide Fragen mit „Ja“ beantworten. Studenten, denen die alte Variante genügt, müssten die erste Frage mit „Ja“ und die zweite mit „Nein“ beantworten.

Abgestimmt werden kann parallel zu den Studierendenparlaments- und Fachschaftsvertretungswahlen bei einer Urnenwahl vom 24. bis zum 28. November diesen Jahres. Es wird ca. 35 bis 40 Standorte geben, wo man seine Stimme abgeben kann.

Für eine Einführung des Tickets ist notwendig, dass 30 % der Gesamtstudierendenschaft zustimmen. Außerdem dürfen selbstverständlich die Gegenstimmen nicht überwiegen. Somit wäre das Ergebnis bindend, andernfalls nur eine Empfehlung.
30 % entsprechen in Münster übrigens ungefähr 10.800 Studenten.

Der Hofnarr
denkt, egal ob man pro oder contra NRW-Ticket ist, der Weg der demokratischen Abstimmung ist sicherlich der beste. Somit hat jeder die Chance seine Meinung geltend zu machen und kann seinen Beitrag dazu leisten, dass der Wille der Gesamtstudentenschaft gehört wird. Ob der Aufpreis von 37 € den Mehrwert des Tickets lohnt, muss trotzdem jeder selbst entscheiden.

Für Interessierte gibt eine Gruppe im studivz.