Mittwoch, 30. Juli 2008

Kommentar: Doha-Runde

Erneut sind die Verhandlungen der Doha-Runde gescheitert. Die WTO-Mitgliedsstaaten konnten sich auf Grund zu großer Differenzen auf keinen Abbau der Freihandelsgrenzen einigen. Besonders der Streit um die Liberalisierung der Einfuhr von Agrargütern ließ die Verhandlungen in Genf scheitern. Die zentralen Themen der Landwirtschaft waren der Abbau von Subventionen für Bauern in vielen Ländern, die Beseitigung der Exportkredite und der Abbau der Außenzölle.



Im Zuge der drohenden globalen Finanzkrise wagten die Verhandlungspartner es nicht ihre protektionistischen Maßnahmen aufzugeben. Die Angst vor der Globalisierung hat erneut gesiegt. Dabei wäre es doch so leicht gewesen trotz der Finanzkrise – oder gerade wegen ihr – die Zeichen auf einen erneuten Wirtschaftsaufschwung durch eine größere Öffnung der Märkte zu stellen. Vor allem die Schwellenländer (China, Indien) haben zu große Angst durch die Senkung ihrer Außenzölle den Weg frei für billige Importe aus den Entwicklungsländern (Afrika und Lateinamerika) zu machen. Ohne die Außenzölle und die Subventionen würden die chinesischen Bauern reihenweise Pleite gehen. Doch was für einen Sinn hat es Betriebe künstlich am Leben zu lassen? Der Volkswirtschaft nutzt dies auf Dauer nicht viel. Sollte man sie nicht viel besser absterben lassen, um den Weg in eine modernere Wirtschaft mit neuen Zweigen zu ebnen?

Den armen Ländern würden die Industrieländer eine echte Chance geben mit ihrer Landwirtschaft den nationalen Wirtschaften auf die Beine zu helfen. Afrika könnte sozusagen die „Getreidekammer“ des Westens und auch der Schwellenländer werden. Dies wäre eine Möglichkeit für Afrika sich aus der Abhängigkeit der Industrieländer zu befreien. Aber auch die Exportstaaten behindern die Einigung mit ihrer Weigerung Importbehinderung ins eigene Land abzuschaffen. Eigene Grenzen aufrecht zu halten und gleichzeitig den Abriss anderer Grenzen zu fordern ist utopisch.

Auch die EU schützt ihre Bauern noch mit Subventionen. Aus gutem Grund, denn wie alle Politiker möchten auch die der EU-Länder bei der nächsten Wahl wieder gewählt werden.

Alle Staaten haben zu viel Angst, Handlungsschranken aufzuheben. Dabei wäre eine Liberalisierung doch ein Sieg für alle, bessert sie doch langfristig den Wohlstand aller Länder. Zum Erliegen wird der Welthandel nicht kommen, denn regionale Abkommen werden das große globale Abkommen ersetzen. Doch wer wird wohl mehr von solchen regionalen Abkommen profitieren: Der große Westen oder die arme dritte Welt?

Dienstag, 29. Juli 2008

"Acht Blickwinkel": An der Realität weit vorbei

Im Film „Acht Blickwinkel“ wird ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten aus acht verschiedenen Perspektiven gezeigt und aufgelöst. Durch je mehr Personen einen der Regisseur blicken lässt, desto detaillierter steigt der Zuschauer in die verwinkelte Story ein. Immer mehr Geheimnisse und die wahren Gesichter der Personen offenbaren sich. Durch dieses Vorgehen bleibt der Hollywood-Streifen sehr kurzweilig und sorgt mit seinen vielen Wendungen dafür, dass nie Langeweile aufkommt, obwohl die Szenerie im Wesentlichen gleich bleibt. Bei dem Thriller schrieb Barry Levy das Drehbuch und Pete Travis führte Regie.



Mir persönlich hat die Idee des Regisseurs, den Film aus dem Sichtfeld verschiedener Personen zu erzählen sehr zugesagt. Es war mal etwas Neues und nicht das alltägliche Hollywood-„Blabla“. Protagonist Dennis Quaid überzeugt in der Rolle des Secret Service Agenten, der alles zum Guten wendet - brillieren tut er jedoch nicht. „Zum Guten wenden“ – genau in diesem Fall bleibt der Film der Fabrik Hollywood treu. Ohne Happy End geht nicht viel im Kino. Natürlich muss alles am Ende gut ausgehen. Doch in der Realität ist nicht alles so rosa. Einen Realitätsanspruch kann der Film meiner Meinung nach nicht stellen.

Nur ein Beispiel: Der Anführer der Attentäter ist auf der Flucht, fast am Ziel seines genialen Planes, plötzlich versperrt ihm ein kleines Mädchen den Weg. Anstatt das Mädchen eiskalt zu überfahren, weicht er aus und verunglückt. Die Entführung des Präsidenten ist gescheitert.

Ein mehrfacher eiskalter Mörder und Terrorrist gibt wegen eines kleinen Mädchens seinen genialen Plan auf?

Die Realität sähe wohl leider anders aus. So löst sich der Film einfallslos auf und lässt die bisherige Ideenquelle des Filmemachers jäh enden. Das kleine Mädchen, das sich auf die Straße verirrt, rettet den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Genau so wie wir es alltäglich erleben – oder nicht?

Wertung: 7,5/10

Donnerstag, 24. Juli 2008

And the US-Presidency goes to... (Teil 2)

UPDATE ! Einer der ersten Beiträge dieses Blogs handelte von Patrice, dieser hier über Obama. Folgendes Video verbindet beides:



Ein weiteres Statement anlässlich des Obama-Besuchs

Der US-Wahlkampf bewegt die Massen, in Deutschland fast noch mehr als es die eigene Bundestagswahl täte und auch an unserem Blog geht das Thema nicht so vorüber. Sowohl der Spiegel ("Deutschland trifft den Superstar") als auch der Stern ("Obama - Erlöser oder Verführer?") titelten mit dem ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten.


Ich persönlich sehe mich als klaren Befürworter Obamas. Damit will ich die kritischen Anmerkungen, die ebenso hinlänglich wie seine Vorzüge diskutiert wurden (Stichwort "Heilsbringer"), nicht abstreiten. Aber ich habe in den etwa zehn Jahren seit ich anfing mich für Politik zu interessieren noch keinen Politiker erlebt, der mich derart überzeugte.

Da ist einer, der endlich mit neuen Ideen kommt. Andere sprechen von blendendem Idealismus und vielleicht lehrt uns die Zukunft, dass es naiv ist so zu denken, aber: Ich hoffe und ich erwarte, dass sich hinsichtlich Amerikas Rolle in der Welt (militärisch wie wirtschaftlich) oder der politischen Lage in der dritten Welt einiges verbessern wird. Die Klimapolitik lasse ich außen vor, da ich diesen Aspekt für eine reine Modeerscheinung im Wahlkampf halte.

Was Obama wohl so besonders macht ist seine Vita, die ihn glaubwürdig erscheinen lässt. Ein schwarzer Mann mit weißer Mutter und kenianischem Vater, der auf Hawaii und in Indonesien aufwuchs, nach Kenia fährt und sich dort zusammen mit seiner Frau einem Aids-Test unterzieht, kann dort ein Zeichen setzen. Man stelle sich nur den alten Vietnam-Veteranen McCain (in diesem Bild rechts neben Präsident Nixon) mit seinem Hollywood-Lächeln daneben vor... Sein großes Plus sind ja angeblich die wirtschaftlichen Verbindungen, die er besitzt. Lasst es mich so sagen: Die hatte ein George W. Bush auch. Dennoch ist es vollkommen richtig, dass die beiden alles andere als politische Doppelgänger sind.

Es wird spannend zu sehen sein, wie (und ob) die Nahost-Frage in den nächsten Jahren geklärt wird - schwierig wird es mit beiden Kandidaten. Obamas Weg erscheint mir jedoch besser als McCains Brechstange. Ein Problem für das beide wenig können, da es Bush jun. war, der die Büchse der Pandora 2003 wieder geöffnet hat. Doch halt: Während der Republikaner für die Invasion im Irak stimmte, lässt sich Obamas Nein auch von Kritikern nicht wegdiskutieren.

Insbesondere im Vorfeld schlug auch Obamas Berlin-Besuch hohe Wellen. Hintergrund dieser "Show-Rede" am Donnerstagabend war selbstverständlich der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten. Darum ging es in erster Linie, auch wenn die 200.000 Zuschauer vielleicht anderer Meinung sein werden. Es ging nicht darum, die "Obamania" in Deutschland auszubauen oder einfach sein Programm hier vorzustellen. Ziel war es, den Wählern in der Heimat den europäischen Rückhalt vorzuführen. Das ist wichtig, denn unter Bush hat Amerikas Ruf bekanntlich stark gelitten: Obama dagegen präsentiert sich als erfolgreicher US-Export-Schlager.

Wie sich der Kandidat Obama als Mr. President schlagen würde, kann jetzt noch niemand sagen. Meine Wünsche für den November hat dieser Mann jetzt aber allemal.

Das ist meine Sicht der Dinge. Zuvor hatte mein Blog-Mitbegründer seine Position dargelegt.
(-->Teil 1)