Sonntag, 9. November 2008

"Big Brother is watching you" - bald Realität in Großbritanien?

Zwar gehört das Jahr 1984 mittlerweile schon der Vergangenheit an, jedoch scheint George Orwells Dystopie im Jahre 2008 in England reale Formen anzunehmen.


Im Vergleich zu den geplanten Überwachungsmaßnahmen vom Inselstaat erscheinen die deutschen Pläne gerade zu lächerlich harmlos. Gordon Brown und seine Regierung planen einen digitalen Überwachungsstaat, der jede E-Mail speichert, außerdem Daten zu jedem Telefonat und zu jeder Internet-Verbindung sammelt.

Die so genannten Black Boxes sollen laut der Zeitung "Independent" mit Hilfe der Internet- und Telekommunikationsbetreiber an zentralen Knotenpunkten installiert werden, Kommunikationsdaten mitschneiden und diese dann an eine zentrale Datenbank weiterreichen.

Die Netzbetreiber, unter anderem AOL und O², wurden bereits informiert. Dieses Projekt wäre für die Provider sogar von Vorteil, denn „von Überwachungs- und Auskunftsanfragen der Behörden würden sie künftig verschont, und Geld kosten würde sie das Ganze nicht. Denn die Black Boxes und das dazugehörige System würden vollständig vom britischen Steuerzahler finanziert“, so der Spiegel.

Laut einem Arbeitspapier des britischen Innenministers aus dem Jahr 2007, damals noch mit dem Begriff „Programm zur Modernisierung der Kommunikationsüberwachung“ geschickt verharmlost, hat das Projekt “zum Ziel, die Weltklasse-Fähigkeiten des Vereinigten Königreiches bei der Erlangung und Ausbeutung der Kommunikationsdaten von Terroristen aufrechtzuerhalten“.

Neben den oben genannten Daten könnten auch sämtliche Handy-Daten, sprich SMS und Telefonate, gespeichert werden. Noch ist nicht klar, wozu die Regierung diese Daten benutzen will. Der britische Geheimdienst MI5 überwacht schon jetzt begrenzt E-Mails und Websites, braucht dafür jedoch jedes Mal eine Erlaubnis des Innenministers. Allein im vergangenen Jahr wurde eine solche Erlaubnis eine halbe Million Mal angefordert. Mit dem neuen System würden alle Daten ohne Einschränkung gesichert und könnten jederzeit von den Behörden abgerufen werden.

Der Hofnarr ist schockiert. Mit diesem Milliarden schweren Überwachungsprojekt hätte die englische Regierung einen unglaubliche Macht in ihren Händen. Jegliche (digitale) Privatsphäre könnte in Großbritannien schon bald der Vergangenheit angehören. Vorgeschoben wird wie so oft der Anti-Terror-Kampf.

Die Provider würden die Riesenmenge an Daten nicht ausreichend speichern und im Ernstfall kämen die Ermittler nicht an die verdächtigen Daten. Um die Überwachung von Terroristen zu erleichtern sollen also die Daten ALLER Bürger gespeichert werden. George Orwell würde sich in seinem Grab umdrehen, wenn er könnte.

Billig ist das Projekt auch nicht gerade. Schätzungsweise 15 Milliarden Pfund müssten die Steuerzahler für die Zerstörung ihrer eigenen Privatsphäre bezahlen.

Die Gefahr eines Missbrauchs der Daten ist immens hoch. Mit diesem Wissen über jeden Bürger Englands gibt sich der Staat selbst eine Macht, die schier unglaublich ist. In Zeiten, in denen jeder Mensch fast alles online erledigt, wäre unser Leben ein offenes Buch.

Der Hoffnarr kann nur hoffen, dass die Bürger Englands sich das nicht gefallen lassen und auf die Straße gehen. Auch die Opposition Englands ist gefragt.
Es erscheint auch geradezu paradox, dass dieses Projekt von der Labour-Party vorangetrieben wird, die als Arbeiterpartei gegründet, mittlerweile für ziemlich liberale Werte einsteht.

Ein solches Gesetz darf nicht beschlossen werden. „Big Brother is watching you“ muss Fiktion bleiben. Alle, die nicht an die von mir beschworene Gefahr glauben, denen empfehle ich dringend die Lektüre von George Orwells „1984“. Vielleicht ist das was dort heute noch Fiktion ist, morgen schon Realität.


Danke an Siggi für den Tipp.

1 Kommentar:

Siggi hat gesagt…

Der Artikel ist in meinen Augen top!

Die Brisanz und die Gefahren, die von diesem Projekt ausgehen, wurden sehr gut herausgearbeitet.

Durch die finale, persönliche Stellungnahme des Hofnarrs und des Appels an die Leser wird die Situation anschaulich dargestellt und ich stimme den Befürchtungen des Hofnarrs zu.

Was mir jedoch äußerst seltsam vorkommt ist, dass dieses Thema kaum in den Medien diskutiert wurde.
Auch auf Spiegel.de war es nur eine kleine Randnotiz, die man zufällig, nach endlosem Herunterscrollen finden konnte.

Umso wichtiger ist es, dass Blogs wie Hingesehen auf solche Geschehnisse aufmerksam machen.

In einer funktionierenden Demokratie DARF so etwas nicht geschehen.