Sonntag, 13. Juli 2008

Teil 1 - Ein Ausländer in Bayern

Da ich mich momentan in Bayern aufhalte und gebürtig aus dem schönen Nord-Rhein-Westfalen komme werde ich ab und zu meinen Senf zum letztem deutschen Freistaat und dessen Bewohnern abgeben. Die Form meiner Beiträge kann bunt variieren.


P.S: Und bitte alles ernst nehmen.

Teil 1:
Der Mann steigt aus dem Zug und versteht plötzlich nichts und niemanden mehr, obwohl er die Grenzen seines schönen deutschen Vaterlandes nicht überschritten hat. Der Freistaat Bayern mit all seiner Eigenheit überrollt ihn wie ein ICE mit 200 Stundenkilometern - frontal ohne Erbarmen.

Er fragt Leute nach dem Weg, trotz deutlich erkennbarer deutschen Sprachwurzeln versteht er nicht mehr als ein paar Silben. Nach mehrmaligen Nachfragen geben die zu erst Hilfsbereiten entgeistert auf und murmeln nur wüst nicht freundlich klingende Worte. Genau so schlau wie vorher bahnt sich der Mann weiter seinen Weg durch das Ausland. Exotische Speisen und Getränke werden ihm auf seinem Weg angepriesen. Zwar optisch bekannt aus großen Supermärkten, namentlich aber nicht zuzuordnen. Überall säumen Biergärten, Brauereien und Braukeller den Weg. Fasziniert von der fremden neuen Welt irrt er durch die Straßen.

Endlich ein bekanntes Gebäude. Das große gelbe „M“ scheint ihm wie ein Zeichen der Zivilisation, der Heimat. Strahlend steuert er den Imbiss-Tempel an und tritt ein in das immer gleich aussehende amerikanische Restaurant. Doch am Schalter die Ernüchterung. Ein Dialekt der übelsten Sorte schallt dem Mann entgegen. Verzweifelt versucht er sich auf Englisch zu verständigen. Der Verkäufer mit der albernen Schirmmütze antwortet eintrainiert in englisch-ähnlichen Phrasen. Der Grundakzent, der das verständliche Element der deutschen Sprachen schier aufsaugen zu scheint, bleibt auch im Englischen teils erhalten. Es reicht aber dafür einen Cappuccino zu bestellen und sich damit ruhig in eine Ecke zu setzen, um über das Geschehen zu reflektieren.

Verwirrt über so viel Ausland im Inland macht der Mann sich Sorgen über seine nahe Zukunft im Land des Bieres. Brauereien scheint es hier mehr zu geben als weitere Filialen des diesigen Burger-Tempels. Dieses eng gestreute Netz von Bierquellen muss einen historischen, gesundheitlichen, logistischen, sozialen oder wenigstens etwas sinnvollen Grund haben. Da reift in seinem Hirn langsam die Erleuchtung.
Erleuchtet verlässt er den Imbiss und steuert auf den nächsten Biergarten zu. Er nimmt die Hürde der unverständlichen Begrüßung und setzt sich an einen kleinen Tisch. Als die Bedienung erscheint bedient er sich der militärischen Zeichensprache und ordert ein Bier. Ein Weizenbier. Drei Minuten später erhält er das sich von dem heimischen Pils-allein durch die Optik vom heimischen Pils klar abgrenzende Getränk. Schnell leert er das Glas. Es fühlt sich gut an. Er merkt eine Veränderung. Schnell bestellt er ein weiteres Glas des gelben Wunders. Es scheint ihm fast als verstünde er die Bedienung. Das frische Bier leert er gierig in ein, zwei Schlücken. Der Weizensaft läuft ihm zu großen Teilen am Mund vorbei, so gierig nimmt er es auf. Dann der Versuch das Vermutete zu beweisen. Er spricht einen „ausländischen“ Tischnachbar an. Er versteht Wörter, fast ganze Sätze und lässt sich triumphierend zu einem weiten Weizenglas einladen. Auch dieses verschlingt er gierig. Die wohl helfende Kommunikationsstütze kaum erwarten könnend. Nach dem dritten Wunderglas scheint er die Hürde Sprache genommen zu haben. Er versteht den Ur-Bayer fast komplett. Das Geheimnis der bayrischen Kommunikation hat sich ihm offenbart. Bier, besonders Weizenbier öffnet das Tor zur barrierefreien Kommunikation im „inländischen Ausland“.

Kommentare:

Tongs hat gesagt…

Kann ich 100% zustimmen, wenn man betrunken ist, kann man sich mit jedem unterhalten! ^^

Maria hat gesagt…

Florian. Du bist nicht in Bayern, du bist in Franken! Das ist ein anderer Dialekt. Erzaehl denen bloss nichts von Bayern^^

politischer hofnarr 2 hat gesagt…

Das ist richtig Maria. Aber Franken ist ein Teil von Bayern. Also auch ein bayerischer Dialekt. Außerdem haben wir dort wo ich nächtige auch genug andere Bayer. Auf jeden Fall versteht man sie nicht! ;-)